Auf Spurensuche nach Haselmaus, Siebenschläfer und Co.

Im Jahr 2025 führte die Ökologische Station Mittleres Leinetal Untersuchungen zum Vorkommen der Haselmaus, des Siebenschläfers und weiterer Kleinsäuger in der Region Hannover durch. Im Fokus standen sieben ausgewählte Untersuchungsflächen außerhalb der FFH-Gebietskulisse. Da Kartierungen geschützter Arten häufig innerhalb bestehender Schutzgebiete stattfinden, richtete das Projekt den Blick bewusst auf Flächen außerhalb dieser Bereiche. Drei der untersuchten Flächen lagen im Deistergebiet bei Springe, vier weitere südlich der Landeshauptstadt Hannover, unter anderem im Bereich der Ricklinger Holz, Hemminger Teiche und Leinewehr. Grundlage war die bisher unzureichende und vielerorts veraltete Datenlage zu Kleinsäugern in diesen Bereichen.

Die Haselmaus (Muscardinus avellanarius) ist in Deutschland gemäß § 7 Abs. 2 Nr. 13 und 14 des Bundesnaturschutzgesetzes eine streng geschützte Art und eng an strukturreiche Gehölzlebensräume gebunden. Sie benötigt dichte Strauch- und Krautschichten, ein gutes Nahrungsangebot sowie zusammenhängende Kletter- und Wanderstrukturen oberhalb des Bodens. Viele der untersuchten Flächen weisen genau solche Strukturen auf: dichte Brombeerbestände, Hasel, Schlehe, Holunder, Waldrebe, junge Laubgehölze sowie stellenweise strukturreiche Altbaumbestände.

Zur Erfassung der Kleinsäuger kamen spezielle Spurentunnel (Abb. 1) und Nesttubes (Abb. 2) zum Einsatz. Diese wurden im Frühjahr 2025 in geeigneten Gehölzstrukturen ausgebracht und anschließend bis in den Herbst hinein regelmäßig kontrolliert. Insgesamt wurden 278 Erfasssungseinheiten eingesetzt. Über die Spurentunnel konnten Trittspuren verschiedener Kleinsäuger dokumentiert werden.


Spurentunnel
Nesttube

Ein aktueller Nachweis der Haselmaus gelang im Jahr 2025 nicht. Die gefundenen Spuren und Nester ließen sich überwiegend anderen Kleinsäugern zuordnen, insbesondere Waldmäusen. Erfreulich war jedoch der Nachweis des Siebenschläfers (Glis glis) auf mehreren Untersuchungsflächen. Spuren dieser Bilchart wurden unter anderem in Springe, am Lauseberg und im Bereich der Leineinsel festgestellt. Darüber hinaus konnten weitere Arten beziehungsweise Artengruppen wie Eichhörnchen, Spitzmäuse und Ratten nachgewiesen werden.

Die Ergebnisse zeigen, dass die untersuchten Flächen auch ohne aktuellen Haselmausnachweis eine hohe ökologische Bedeutung besitzen. Sie bieten wertvolle Rückzugsräume und wichtige Vernetzungsstrukturen für heimische Kleinsäuger – gerade auch in stärker urban geprägten Bereichen. Für eine mögliche Rückkehr oder Wiederbesiedlung durch die Haselmaus sind der Erhalt und die gezielte Weiterentwicklung strukturreicher Gehölzbestände besonders wichtig. Dazu gehören unter anderem dichte Strauchschichten, artenreiche Waldränder, Totholzstrukturen, Alt- und Biotopbäume sowie eine bessere Vernetzung geeigneter Lebensräume.

Da Haselmäuse schwer nachzuweisen sind und Vorkommen nicht immer in jedem Untersuchungsjahr bestätigt werden können, ist ein Monitoring der Gebiete über mehrere Jahre sinnvoll. Nur durch wiederholte Kartierungen lässt sich verlässlich einschätzen, ob die Art auf den Flächen vorkommt oder diese zukünftig wieder besiedeln kann. Auch im Jahr 2026 sollen daher erneut Habitatkartierungen stattfinden. Die Vorbereitungen in der ÖSML laufen bereits…